Vorgeschichte
1900 erfand der Österreicher Toni Lenhardt mit dem Monogleiter den ersten Vorläufer des Snowboards. Er war damit derart erfolgreich, dass ab 1914 in Bruck an der Mur
sogar offizielle Monogleiterwettbewerbe veranstaltet wurden. Es heißt,
dass sich der US-Amerikaner Jack Burchett 1929 als erster Gedanken
darüber machte, wie man aus Spanplatten,
Pferdezügeln und Wäscheleinen eine fahrbare Unterlage bastelt, die
Tauglichkeit für Schnee besaß. Seine Idee war aber rein privat und
erreichte nie den Markt. Die gedanklichen Wurzeln des Snowboardens
liegen im Surfen. Die beiden Wellenreiter Tom Sims und Sherman Poppen (beide USA) experimentierten 1963 mit alten Türen und großen Holzbrettern, auf denen sie Laschen montierten, um so das Surf-Feeling auf Schnee zu rekonstruieren.
Entwicklung des Snowboards (1970-85)
Dimitrije Milovich, ein begeisterter Surfer, brachte 1970 erstmals Stahlkanten
als zusätzliche Stabilisatoren an den Seiten des Bretts an. Die Technik
war jedoch im Gebrauchsalltag zu jener Zeit nicht hilfreich und wurde
daher bald wieder verworfen. Zwei Jahre später entwickelte Jake Burton
das Prinzip der Bindung entscheidend weiter, indem er verstellbare
Gummiriemen als Fußschlaufen und Antirutschflächen auf das Board
montierte, um so die Standsicherheit zu erhöhen.
Milovich nahm 1975 in Utah die Produktion von Snowboards mit dem Namen Winterstick auf. Die Modelle waren den heutigen zwar noch fern, doch entwickelte er Boards mit patentiertem Swallowtail
(Schwalbenschwanz), um eine bessere Drehfreudigkeit zu erreichen. Die
Stahlkanten seiner früheren Boards verschwanden wieder. Auch Mike Olsen, der später die Firmen Gnu und Lib Tech gründen sollte, begann damit, Boards in seiner Garage herzustellen.
1978 produzierte Burton als erster eine Kleinserie seiner eigenen Board-Kreation, nachdem er im Vorjahr die Firma Burton Snowboards
gegründet hatte. Mit 88 US$ setzte er den Preis jedoch zu hoch an, so
dass sein Produkt zu diesem Zeitpunkt kein kommerzieller Erfolg wurde.
Im selben Jahr mieteten Jake Burton und Dimitrije Milovich einen
kleinen Stand auf der „Snow Sports Industry Show“ (SIA Show), die als
wichtige Messe
für Sportgeschäfte gilt. Ihr einziger Erfolg war es, verschiedene
Vertriebe auf ihre Produkte aufmerksam zu machen, verkaufen konnten sie
kein einziges ihrer Boards. Im selben Jahr entwickelte Tom Sims ein
Board mit verleimten Holzschichten.
Dieses Brett verkaufte sich viel besser, da es mit weniger
Arbeitsaufwand gebaut werden konnte. Dadurch sank der Verkaufspreis
etwa um die Hälfte, also etwa auf 40$. Das Problem im Verkauf war vor
allem, dass damals die Snowboarder in den Skigebieten und an den Liften
noch nicht gern gesehene Gäste waren. So waren sie gezwungen, die Hänge
hinauf zu steigen oder nachts auf den präparierten Pisten zu fahren. So
waren die Snurfer bis 1985 in nur sieben Prozent aller amerikanischen
Skigebiete willkommen.
Burton, Sims und Winterstick benutzten 1980 so genannte P-Tex-Beläge
für ihre Snowboards und integrierten somit erstmals Technologien aus
der Skiindustrie. Diese Entwicklung war den bisherigen "Snurfern"
weit voraus und ermöglichte bessere Kontrolle und neue Fahrmanöver.
Auch in Europa wurden erstmals Boards produziert, doch waren jene aus
den USA weiter entwickelt und wurden teuer nach Europa importiert.
Dennoch bekam Winterstick noch im selben Jahr große finanzielle
Probleme und musste sich aus dem Geschäft zurückziehen. Gregory Stump und Warren Miller produzieren die ersten Snowboardfilme und besorgen dem Sport öffentliche Aufmerksamkeit.
Chuck Barfoot, der seit 1978 für Tom Sims verschiedene Bretter designt hatte (Skateboards, Surfboards und Snowboards), machte sich 1981 selbstständig, gründete Barfoot und experimentierte mit verschiedenen Konstruktionstechnologien. In Deutschland entwickeln zwei Studenten den Swingbo.
Er bestand aus zwei Skiern, die mit einer Standplatte verbunden waren.
Das ganze funktionierte wie ein Skateboard. Durch seine Stahlkanten
ließ er sich besser steuern als ein Snowboard. Nicht viel später waren
aber dann die meisten Snowboards auch wieder mit Stahlkanten
ausgerüstet. Der Swingbo verschwand so schnell aus den Bergen wie er
gekommen war. Auch fand in diesem Jahr in kleinem Rahmen der erste
Wettbewerb Leadville, Colorado statt.
Paul Graves organisierte 1982 die erste nationale Snowsurfing-Meisterschaft in Vermont,
die aus Slalom und Abfahrt bestand. Erstmals traten Snowboarder aus
ganz Amerika gegeneinander an, unter anderem die Rivalen Jake Burton
und Tom Sims. Dieses Ereignis weckte das Interesse der Medien und
Snowboarden war erstmals ein Thema landesweiter Berichterstattung. Die
Konkurrenten Sims und Burton organisierten 1983 in ihren Heimatorten
offizielle Meisterschaften, was aber die Snowboardergemeinschaft
spaltete: Sims integrierte erstmals die Halfpipe in seinen Bewerb und wurde von manchen Fahrern boykottiert, da sie Freestyle nicht als Snowboarddisziplin akzeptierten.
Die erste Europäische Snowboardfirma Hooger Booger entwickelte 1984 Race Boards mit asymmetrischer Taillierung, ein richtungsweisender Schritt für die Zukunft. In Stratton Mountain (USA) entwickelte man etwa zur selben Zeit die ersten speziellen Snowboard-Schuhe. Zuvor fuhr man in Moonboots oder in Wanderschuhen.
Burton und Sims produzierten ihre Boards ab 1985 serienmäßig mit
P-Tex-Belag und Stahlkanten, womit der konstruktive Einfluss des
Surfboards zu Ende ging. Sims stellte das erste Promodell vor, das den
Namen von Terry Kidwell
trug und im Freestyle-Bereich erstaunliche Akzente setzte. Das Brett
war auf beiden Seiten gleich abgerundet und hatte zwei gleich stark
aufgebogene Enden. Im selben Jahr wurde im Schnalstal (Südtirol)
erstmals ein Wettbewerb auf europäischem Boden durchgeführt. 1985 war
auch das Geburtsjahr der Softboots - spezieller Schuhe, der den
Bedürfnissen und Belastungen eines Snowboarders angepasst sind. In Soda
Springs fand der erste Halfpipe-Wettbewerb statt. Freestyle wurde zum großen Thema des Snowboardens, insbesondere für Skateboarder. Die ersten, die in diesem Sport Geld verdienten, waren José Fernandez, Peter Bauer, Petra Müssig, Jean Nerva, Craig Kelly und Burt Lamar.
Der Film Apocalypse Snow
erschien 1986 und dokumentierte das rasante Wachstum des
Snowboardsports. Zu dieser Zeit schafften es auch europäische
Hersteller wie Nidecker und Hooger Booger, den bis dahin bestehenden Rückstand in Technik und Entwicklung aufzuholen. Niedecker brachte seine Innovation des asymmetrischen Boards auf den Markt, das José Fernandez zum ersten europäischen Weltmeister machte.




